10. November 2017

ValueWeekend

Link: ValueWeekend

Mitte Oktober fand das erste ValueWeekend in Stuttgart statt und ich war einer der glücklichen Teilnehmer. 

Was ist das ValueWeekend? In Stuttgart ein Treffen von etwas mehr als 20 Value Investoren aus dem deutschsprachigen Raum, die unter Anwendung der Open Space Methode verschiedene Themen ("Anliegen") durchgeackert haben. Dazu gab es ein ansprechendes Rahmenprogramm und zwei gesellige und hervorragende Abendessen.

Für mich als kleinen Blogger, der nur selten einmal "realen" Kontakt mit anderen Value Investoren hat, war die Erfahrung überwältigend. Mich hat vor allem überrascht, wie viel einzelne Leute zu verschiedenen Unternehmen, Branchen und sonstigen Themen wissen. Manchmal bin ich mir vorgekommen, als wüsste ich so gut wie gar nichts. Das ist das tolle an solch gelegentlichen Austäuschen: man lernt viel. Sehr viel. Ich hoffe, dass ich selbst auch ein bisschen etwas Nützliches beitragen konnte. 

Am Sonntag Nachmittag, am Ende der Veranstaltung, war ich zugegebenermaßen ziemlich erschöpft, und ich glaube, das war das erste Mal, dass ich vom Thema Value Investing eine Pause gebraucht habe. Aber keine Angst, das war nur kurzfristig. 

Das ValueWeekend 2018 wird vom 21. bis 23. September in Berlin stattfinden. Wenn du dich für Value Investing interessierst und "nicht-digitalen" Kontakt zu Gleichgesinnten suchst, empfehle ich dir teilzunehmen. Über den Newsletter, den du auf der Homepage abonnieren kannst, erhältst du alle Informationen dazu.

Falls dir das mit September 2018 zu lange dauert, kannst du alternativ auch bei meetup nach einem Value Investing Dinner in deiner Nähe Ausschau halten, um da einmal reinzuschnuppern. Keine Angst, die Leute sind sehr freundlich ;-)

Tom

6. September 2017

Goldminen


Ich bin prinzipiell ein eher langsamer Schreiberling. In letzter Zeit kommt auch noch hinzu, dass ich kaum Zeit finde, mich überhaupt einmal hinzusetzen. Letztens habe ich allerdings in ein paar Goldaktien investiert (auch im wikifolio), hier eine verspätete Kurz-Info dazu.

Ich weiß, dass Gold momentan nicht gerade beliebt ist, ebenso wenig wie Goldminen. Das eröffnet auf lange Sicht jedoch Chancen. Eine Investition in Goldminen ist mir allemal lieber als eine Kryptowährungs-Spekulation. Warum ich das anspreche? Gefühlsmäßig werden Kryptowährungen heute als eine Art moderner Goldersatz behandelt. Bitcoin beispielsweise ist meiner Meinung nach ein Versuch, die Eigenschaften von Gold in digitaler Form zu kopieren. Mit ein paar Verbesserungen, aber auch Verschlechterungen. Derweil halte ich Kryptowährungen zwar für ein langfristig interessantes Konzept, aber nicht mehr. Ob sie sich durchsetzen wird die Zukunft zeigen, momentan aber durchlaufen wir in diesem Bereich, denke ich, eine Spekulationsphase.  Ich bleibe lieber beim Original.

Was die Minen betrifft: ich halte mich im Folgenden an die relativ einfach zu beschaffenden Produktionskosten der jeweiligen Minenunternehmen: AISC (All in sustaining costs), jeweils pro geförderter/verkaufter Unze Gold. Sonst wird das zu kompliziert. Ich denke bei einem Goldpreis um die USD 1.300 kann man bei allen diesen Minenaktien von einer Unterbewertung sprechen. Bei einem Goldpreisrückgang sollten die Unterbewertung und die niedrigen Produktionskosten schützen. Ein Goldpreisanstieg bietet weiteres Potenzial. Nona.

Barrick Gold

Barrick ist einer der größten Goldförderer der Welt - bei relativ niedrigen Produktionskosten. Das Unternehmen ging stark verschuldet in den Goldbärenmarkt ab ~2012/13 hinein. Inzwischen mussten einige Assets verkauft werden um die Verschuldung zurückzufahren, was übrig bleibt sind allerdings Minen, die starke Cash Flows produzieren. Die Verschuldung ist, denke ich, kein großes Problem mehr, vor allem weil ein großer Teil erst nach 2030 fällig werden wird.

Es gilt jetzt zwar einige andere Probleme durchzustehen, wie zB
  • Acacia Mine in Tansania (die Regierung meint, Barrick zahlt zu wenig Steuern; derweil Exportverbot)
  • Veladero Mine in Argentinien (Streiks; Rohrbruch mit umwelttechnisch weniger schönen Folgen)
aber die sind wahrscheinlich mit ein Grund, warum die Aktie zu einem akzeptablen Preis zu haben ist.

AISC 2016: USD 730

New Gold

New Gold produziert derweil noch in Kanada, USA, Australien und Mexiko. Die mexikanische Mine ist allerdings am Ende ihres Lebens und wird bald geschlossen werden, die australische Mine wird verkauft. Ab 2018 wird wohl nur noch in Nordamerika produziert.

Die bisher größte Mine (New Afton) ist eine kombinierte Gold/Kupfer Mine. Der Umsatz mit Kupfer ist höher als mit jener mit Gold. Man könnte von einer Kupfermine mit Gold als Nebenprodukt sprechen, New Gold betrachtet das allerdings umgekehrt, weswegen die Produktionskosten auf By-Product-Basis negativ sind.

Was New Gold meines Erachtens wirklich interessant macht, ist das Rainy River Projekt, das ab Ende 2017 / Anfang 2018 in Produktion gehen soll. Es sollen 14 Jahre lang jährlich ~330.000 Unzen Gold gefördert werden, was den Produktionswegfall in Australien und Mexiko mehr als wettmachen wird. Wenn die Mine auch nur annähernd zu den erwarteten Kosten um ~USD 700 pro Unze produziert ist New Gold sehr billig. Der Aufbau ist noch nicht ganz abgeschlossen, die Finanzierung der restlichen Investitionen sollte aber gesichert sein. Darauf baue ich.

AISC 2016: USD 692
Rainy River AISC (Schätzung): USD 710

Pretium Resources

Pretium hat bisher noch gar nicht produziert, war also nur in der Exploration tätig. Seit Juni ist aber die erste Mine in Kanada in Betrieb (Brucejack) und soll jährlich um die 450.000 Unzen produzieren – zu Kosten um die ~USD 500 je Unze. Brucejack enthält nicht so viele Nebenprodukte wie beispielsweise die New Afton Mine (Kupfer) von New Gold. Nur etwas Silber, dafür soll der Goldgehalt im Gestein aber sehr hoch sein (um die 15 Gramm je Tonne Gestein), was die niedrigen Produktionskosten ermöglichen soll.

Die „Story“ ist also eine ähnliche wie jene von New Gold: wenn die Pläne mit der neuen Mine halbwegs aufgehen, ist die Aktie billig.

AISC (Schätzung): USD 520

Goldmoney

Goldmoney hat mit Goldminen nichts zu tun. Das Geschäft war ursprünglich ein Online Gold Depot Service, nicht allzu spektakulär. Die Grundlegende Idee des neuen Geschäftsführers Roy Sebag (Goldmoney ist 2014 aus einem Merger zwischen Goldmoney und Roy Sebags BitGold entstanden - Sebag ist mit ~28% der Aktien nach wie vor größter Aktionär) ist es darauf ein voll durch Gold gedecktes Zahlungsnetzwerk aufzubauen.

Ein Hauptargument gegen Gold, dass es nämlich als Zahlungsmittel zu umständlich ist, ist mit heutiger Technologie eigentlich lösbar. Goldmoney ist ein Versuch in diese Richtung.

Das Unternehmen ist von Profitabilität noch einiges entfernt aber ich denke, dass es eine Chance gibt dort hin zu kommen. Die Kosten kommen runter, obwohl weiter investiert wird.



Beim Einstieg haben alle 4 Position zusammen unter 10% des Wikifolio-Bestandes ausgemacht, inzwischen mache sie leicht über 10% aus. Einstiegszeitpunkt gut erwischt. Zumindest sieht es momentan so aus…

3. August 2017

Links und ein Video

John Malone und Liberty Ventures warten mit einem neuen, nicht uninteressanten Deal auf. Ein Kabelbetreiber mit sehr starker Präsenz in Alaska. LVNTA wird nach dem Deal in Liberty GCI umbenannt werden - mit "Hard Spin" der neuen Einheit. Yet another Value Blog mit einer Übersicht. (Die Kurse von LVNTA bzw. GCI könnten schon etwas davongelaufen sein...)

Ganz interessant für meine Liberty Sirius Position, bzw. LiLAC: How do you Value a Subscriber, via 25iq

Wedgewood Partners - Humility and Rationality in Practice. Unter anderem mit Express Scripts, über die ich hier mal geschrieben, aber in die ich nie investiert habe. Grahamites via gurufocus.com 

The Reasonable Formation of Unreasonable Things. "An explanation of market bubbles that doesn’t blame greed or incompetence, and a strategy to protect yourself from their invevitability." Von Morgan Housel via Collaborative Fund 

The Crypto Currency Debate: Future of Money or Speculative Hype? Interessantes Thema, in dem ich noch nicht wirklich drin bin. Damodaran mit einem guten Einführungsartikel via Musing on Markets 

Passend dazu, das neueste Memo von Howard Marks, via Oaktree Capital

Forager Funds:

Zum Schluss noch, eine bekannte Rede von Charlie Munger verfilmt: The Psychology of Human Misjudgement; Tiny via youtube 

21. Juni 2017

Links

Ich habe momentan kaum Zeit etwas zu Schreiben und, außerdem, momentan ehrlich gesagt nicht allzu viele Investment-Ideen. Was ich habe sind ein paar (wie ich glaube) ganz interessante Links:
  • Amazon‘s New Customer: Der Whole Foods Deal soll endlich den Erfolg im Lebensmittel-Geschäft bringen. Gedanken von Ben Thompson via stratechery
  • Google und Facebook beanspruchen praktisch das ganze Wachstum im US-Werbegeschäft für sich: FT Alphaville
  • Eine Übersicht über die Bezahl-Industrie von Value Seeker
  • Ein Interview von Mark Gottlieb mit Bruce Berkowitz via Seeking Alpha
  • The day of the conventional diesel bus is dead. Go-Ahead stellt auf elektrisch um, mit Konsequenzen für die Strom-Netzeft.com
  • Insurance: Robots learn the business of covering risk: ft.com
  • Scripp Networks (Discovery-Konkurrent): Flip or Flop? Interessanter Artikel auf scuttle blurb
  • Brown & Brown: Compounder in a fragmented Sector: nochmal scuttle blurb

Viel Spaß damit.
Tom

20. April 2017

Links

Jason Koebler: The Man Who Broke Ticketmaster via Motherboard. Ticketmaster gehört Live Nation Entertainment, an dem Liberty Media (der entsprechende Tracking Stock heißt inzwischen Formula One Group) Anteile hält.

Andy Dunn: E-Commerce is a Bear via medium.com. Schon etwas älter, aber interessant. "In two decades of e-commerce in the US, we have produced only two standalone e-commerce companies of meaningful enterprise value: Amazon and eBay."

Aswath DamodaranMy Snap Story: Valuing Snap ahead of it's IPO! via Musing on Markets. Ich beobachte IPOs generell eher nicht. Aber wenn sich schon jemand die Mühe antut, einen Bewertungsversuch zu wagen, schaue ich auch nicht weg. In die Aktien von Snap werde ich definitiv nicht investieren.

The Science of Hitting: Finding Potential Short Targets via gurufocus.com. Nicht, dass ich unter die Leerverkäufer gehen möchte, ich möchte mich lediglich mit dem Gedanken anfreunden, Puts als Crash-Absicherung zu kaufen. Ich habe nach wie vor Probleme damit herauszufinden, wie ich dieses Vorhaben am besten umsetze.

Grahamites: Valeant: It's Not a Game of Chess - Part 1 via gurufocus.com. Ein guter Rückblick auf das was bei Valeant passiert ist. Unglaublich, eigentlich.

The Rational Walk: Sharing Ideas? Beware of Negative Lollapalooza Effects. Wie intelligent ist es eigentlich, seine Investmentideen zu teilen? Als Blogger betrifft mich das ja doch einigermaßen, und ehrlicherweise habe ich mich doch schon einige Male gefragt, ob ich an bestimmten Aktien noch festhalten würde, wenn ich hier nicht einen Artikel darüber geschrieben hätte...

Farhad Manjoo: How the Internet Is Saving Culture, Not Killing It via NY Times. Hat nicht wirklich mit Investments zu tun, dennoch interessant. Ein paar Medien-Konzerne werden doch angesprochen.

Roy Sebag: The Natural Order of Money and Why Abstract Currencies Fail via medium.com. Interessanter Artikel. Der Author hat allerdings eindeutig einen Gold-Hintergrund. 

Hans-Werner SinnWie die Neugründung Europas gelingt via Youtube. 


Irgendwie damit verbandelt, aus der Welt
"[...] dass sich die Franzosen in der Stichwahl nur noch zwischen zwei radikalen Kandidaten entscheiden können, zwischen Le Pen auf der rechten Seite und Mélenchon auf der linken. Beide Kandidaten gehen derzeit mit einem Versprechen auf Stimmenfang, das vielen Investoren gar nicht gefällt: Sie wollen Frankreich aus der Euro-Zone führen, womit die Gemeinschaftswährung insgesamt infrage gestellt würde."
Dieses Szenario habe ich bisher noch gar nicht beachtet. Es scheint, als könnten wir den nächsten "Brexit-Moment" vor uns haben. Schaun mer mal...


Nachtrag

Auch noch interessant, beim ersten Mal vergessen zu verlinken:

Steve Johnson: Blame Central Bankers for the Lack of Productivity Growth via Bristlemouth

9. März 2017

Update – Admiral Group


Admiral hat die Ergebnisse für das Jahr 2016 veröffentlicht (hier findet sich ein Transkript der dazugehörigen Analysten-Konferenz, die Folien dazu finden sich unter dem ersten Link). Da Admiral im deutschsprachigen Raum von beinahe niemandem verfolgt wird, und die Ergebnisse auf den ersten Blick enttäuschen, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, diese hier kurz zu behandeln. Vor allem, weil der 2016er Gewinn deutlich niedriger ausfiel, als der 2015er Gewinn.

Der Grund, warum der Gewinn um so viel niedriger ausfiel und die Präsentation der Ergebnisse um eine Woche verschoben wurde, ist eine Änderung in der sogenannten Ogden discount rate, eine regulatorische Sache.

Die Ogden rate wird, vereinfacht ausgedrückt, in der Formel verwendet, mit der die Summe berechnet wird, die Opfern mit körperlichen Verletzungen nach einem Unfall zusteht. Die Ogden rate wurde von 2,5% auf -0,75% heruntergesetzt. D.h., dass die englischen Versicherer den Unfallopfern mehr zahlen müssen, was aber in den Prämien der aktuellen Verträge nicht berücksichtigt ist. Die anzunehmenden Auszahlungen für Schadensfälle sind höher zu bewerten, und werden auch zu höheren Auszahlungen führen, als das momentan in den Bilanzen der Versicherungen abgebildet ist.

Admiral schätzt den Gesamtschaden für sich selbst aus dieser Situation auf ca. GBP 330 Mio., wobei ein Teil davon (etwas über GBP 100 Mio.) nachträglich ins letzte Jahr gebucht wurde (deswegen die Verschiebung der Ergebnis-Präsentation), der Rest wird über die nächsten Jahre durch geringere Rückstellungs-Auflösungen und geringere Profit-Commissions ins Ergebnis fließen.

Die Sache betrifft alle englischen Versicherer und ist nichts Admiral-spezifisches. Einige Vertreter der Branche bezeichneten die Entscheidung gar als „crazy“ – die durchschnittliche jährliche Erhöhung der KfZ-Versicherungsprämie für Endkunden wird auf bis zu GBP 100 geschätzt. Eine klassische loose-loose-Situation, außer wenn man zufällig gerade einen Auto-Unfall hat.

Admiral hat inzwischen reagiert und die Preise für die eigenen Produkte angehoben um diese erhöhten Kosten zu berücksichtigen. Andere Versicherer waren nicht so schnell und haben die Preise noch nicht angehoben, weshalb Admiral laut Aussagen aus obig verlinktem Transkript in den ersten Wochen des 2017er-Jahres langsamer wächst als in 2016 (Kundenanzahl). Da der britische KfZ-Versicherungsmarkt allerdings mit einer Combined Ratio von über 100% operiert, und dieser Ogden-Vorfall die Markt-Combined Ratio nach Admiral-Schätzung voraussichtlich auf bis zu 119% hinaufdrücken kann (falls die Preise nicht erhöht werden), sind früher oder später auch Preiserhöhungen der Konkurrenz zu erwarten, zumindest wenn sie rational agieren.

Falls die Ogden-Rate mal wieder hinaufgesetzt werden sollte, würde ein umgekehrter Effekt (Gewinn) eintreten: Admiral schätzt eine Änderung auf 0% würde einen Gewinn von nicht ganz GBP 70 Mio. bedeuten, eine weitere Senkung würde natürlich einen erneuten Verlust bedeuten.

Meines Wissens liegt die Entscheidung über die Festsetzung der Ogden discount rate zwar beim Staat, muss sich dabei aber an der Verzinsung von englischen Staatsanleihen orientieren.

Ansonsten waren die Ergebnisse sehr gut, aber das könnt ihr euch anhand der Links im ersten Absatz auch selber zusammenreimen. Für mich am wichtigsten: die langfristig starke Wettbewerbssituation von Admiral wird dadurch nicht beeinträchtigt, auch wenn der kurzfristige Schaden mehr als ärgerlich ist.

Ich bleibe weiterhin investiert.