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1. März 2017

Links & mehr

What is your edge?

Laut John Huber gibt es prinzipiell 3 Möglichkeiten, sich gegenüber dem "Markt" einen Wettbewerbsvorteil  zu sichern:

  1. Information
  2. Analyse
  3. Zeithorizont

Ich persönlich setze, denke ich, meistens auf Punkt 3. Möglichkeit 1 ist für einen kleinen Blogger nicht zu erreichen. Möglichkeit 2, wenn überhaupt, fast ausschließlich bei Small-Caps. Auch wenn es Ausnahmen geben mag - ich denke z.B. an Liberty Sirius (gekauft vor dem Split in 3 Tracking Stocks) oder LiLAC. Allerdings spielt auch in diesen beiden Fällen Möglichkeit 3 eine gewichtige Rolle. 

Übrig bleibt, in Wahrheit, eben nur Möglichkeit 3. Und ich glaube, dass das auch das ist, auf das ich meistens gehe - mit all den Fehlern die ich dabei mache. Link zu Base Hit Investing.


The great unbundling

Ich mag die Artikel von Ben Thompson. Sie besprechen keine direkten Investment-Möglichkeiten, sondern behandeln entweder 
  • Geschäfts-Strategien, die Tech-Unternehmen einsetzen oder 
  • die großen, wirklich fundamentalen Verschiebungen in der Struktur einzelner Branchen. 

Auch wenn sich manchmal etwas wiederholt, und ich auch mit der einen oder anderen These nicht übereinstimme (oder nicht kapiere), interessant ist es immer.

Diesmal geht es um "Unbundling". Etwas, das einige meiner Investments betreffen könnte, wie Discovery oder LiLAC - etwas entfernter auch Microsoft. Außerdem betrifft es all die viel beachteten Riesen-Konzerne wie Google, Disney oder Netflix. Viel Spaß mit dem Link zu stratechery.com.


Value traps im Radiogeschäft?

Der Forager Fund mag NZME. Seit ich mein Engagement in Liberty Sirius eingegangen bin entdecke ich immer mehr, was für eine Cash-Cow auch das klassische Radiogeschäft (derweil noch?) eigentlich ist - im Gegensatz zum Streaming-Geschäft, das ohne Quer-Subventionen einfach nicht funktioniert (siehe z.B. Pandora Media). Es mangelt mir allerdings an Investment-Möglichkeiten. Eine Idee wäre eben NZME, die ich auf die To-Do-Liste setze. 

Eine andere Möglichkeit, und ebenfalls auf der To-Do-Liste: Entercom, das mit dem Radiogeschäft von CBS zusammengeschlossen werden soll.


Herbalife und Multi-Level-Marketing

Eine der meist beachteten Kleinkriege an der Börse in den letzten Jahren: Ackman gegen Icahn. The New Yorker mit einem interessanten Beitrag über Herbalife und (legale?) Schneeballsysteme. Obwohl Ackman mit Valeant kräftig daneben gegriffen hat, tendiere ich hier eher dazu (zugegeben, hauptsächlich beeinflusst von dem Artikel), ihm Recht zu geben, nicht Icahn. 

Im Artikel wird allerdings auch erwähnt, dass Ackman mit seiner Short-Position nicht unbedingt Gewinn machen muss, nur weil er richtig liegt und/oder Herbalife mit seinem MLM einem Pyramidensystem sehr ähnlich sieht. Die definitive Abgrenzung ist oft schwierig...


Autohändler

Vor ein paar Monaten habe ich mir ein paar englische Autohändler angesehen (Inchcape, Lookers, Pendragon und Vertu), dann aber, mehr oder weniger aufgrund des Brexit, beschlossen nicht zu investieren. Bisher habe ich mit dieser Entscheidung nicht viel verpasst, die vier Aktien sehen auf den ersten Blick nach wie vor günstig aus und sind seither, wenn überhaupt, nur leicht gestiegen. 

Dazu ein interessanter Beitrag auf The Rational Walk, der die Geschichte des Autohandels auf Basis des Buches My years with General Motors von Alfred Sloan, Jr. zusammenfasst. Natürlich behandelt das Buch das US-Geschäft, die grundlegenden Prinzipien müssten aber praktisch auch auf den englischen Markt übertragbar sein. 

Interessant finde ich das ganze, weil Warren Buffett 2015 Van Tuyl übernommen hat. Seine damalige Einschätzung zum Direkt-Vertriebsmodell von Tesla:
"I would doubt if it picks up much steam, [...] What Tesla does with it, we'll find out. But I do not see the distribution system changing in any major way."
Larry van Tuyl sieht das ähnlich:
"I don't see any serious volume potential there, and their pricing for what they build may be fine, but it's certainly at the upper end, so I just don't see it as a volume product" 
Zusammen mit obigem Artikel lässt sich schon vermuten, dass der Autohandel prinzipiell ein starkes Geschäftsmodell ist, wenn es von einem anständigen Management geführt wird. Einen Wettbewerbsvorteil a la Coca-Cola wird man jedoch vergeblich suchen. 

An was ich mich auf jeden Fall noch erinnere: den wirklichen Gewinn machen alle vier Unternehmen im Service/Aftersales Bereich, nicht im Autohandel selbst. 

Tesla

Wenn wir gerade dabei sind: nach der Übernahme von SolarCity ist Tesla definitiv um einen Cash-Burner reicher. Ich habe mir die Bilanzen von SolarCity (vor der Übernahme) mal durchgesehen, und bin auf erstaunliche "VIEs" und "redeemable" und "non-redeemable non-controlling interests" gestossen, die die Analyse der Bilanzen/GuVs/Cash-Flow Statements zu einer müssigen Angelegenheit machen und jetzt logischerweise in den Tesla-Büchern auftauchen (ich habe irgendwann aufgehört, weil ich nicht glaube, dass genügend Information preisgegeben wird, um diese Dinger wirklich zu bewerten. Ich gebe allerdings zu, dass ich damit praktisch keine Erfahrung habe). 

Ein Großteil dieser Spielereien hängt wohl mit Solar Tax Equity Investments zusammen, ich weiß aber nicht, ob das alles ist, was darin versteckt ist. Falls jemandem furchtbar langweilig ist, hier eine gute Einführung in diese Vehikel von Woodlawn Associates

Wenn die Puts auf Tesla nicht so schrecklich teuer wären, wären sie wohl eine gute Gelegenheit, sich gegen einen Markt-Crash abzusichern. Ich weiß bei bestem Willen nicht, wie Tesla die nächsten Jahre ohne ständige Kapitalerhöhungen (oder eine Riesen-Kapitalerhöhung) durchkommen will. Dennoch stieg die Aktie letztens deutlich an, was bedeutet, dass ich mich einfach täusche, oder Tesla eine der größten (Unternehmens-) Blasen überhaupt ist...

Ich bin echt gespannt, ob, wann und wie das endet.

15. Mai 2016

Update – Liberty Media & Sirius XM Canada

Ich besitze Aktien von Liberty Media, Liberty Braves, Liberty Sirius und Sirius XM Canada. Keine dieser Aktien ist über wikifolio investierbar.

Hier habe ich das erste Mal über Liberty Media und Sirius XM Canada geschrieben, hier über Sirius XM, und hier habe ich auf ein mögliches Übernahmeangebot für Sirius XM Canada verwiesen. Inzwischen ist einiges passiert. Zuerst zu den Ereignissen bei Liberty Media, dann Sirius XM Canada.


Liberty Media

Die Aufspaltung der Liberty Media Aktie in drei Tracking Stocks ist durch. Da es vor dieser Aufspaltung drei Serien von Liberty Media Aktien gab (A, B und C Serie, wobei das Handelsvolumen der B Serie sehr gering ist), und jede dieser drei Serien aufgespalten wurde, gibt es nun 9 verschiedene Klassen von Liberty Media Aktien (zumindest wenn wir alle Abspaltungen von früher außen vor lassen). Ich halte jeweils Aktien der A-Serie.

Liberty Sirius (A, B und C Serie)

Diese ‘tracken’ den (aktuellen) 63,74%-Anteil von Liberty Media an Sirius XM plus ca. USD 50 Mio. in Cash und einem USD 250 Mio. Kredit. In Summe gibt das einen fairen Wert von ca. USD 12,6 Mrd. (Marktkapitalisierung von Sirius XM * 0,6374 minus USD 200 Mio.) oder USD 37,1 je Liberty Sirius Aktie. Die Aktie notiert momentan bei USD 31,74 und somit mit einem Restpotenzial von 16,9% (wenn wir davon ausgehen, dass der Kurs von Sirius XM da bleibt wo er ist, was natürlich nicht sein muss). Anzumerken ist, dass Tracking Stocks meistens mit einem Abschlag notieren, wobei ich glaube, dass ein Abschlag von 5-10% ‚normaler‘ sein sollte, sprich der aktuelle Abschlag scheint mir etwas hoch.

Ich gehe davon aus, dass wenn sich der Abschlag verringert, Liberty ein Übernahmeangebot für den Free-Float der Sirius XM Aktie andenken wird. Ich gehe von einem Angebot in Form eines Aktientausches aus: Liberty Sirius Aktien (Serie C) gegen Sirius XM Aktien. Der Liberty Anteil an Sirius XM wird laufend größer, da Sirius XM eigene Aktien zurückkauft, Liberty aber keine Aktien andient. 

Ich bin da kein Experte, aber offenbar könnte es nach amerikanischem Recht ab einem 80%-Anteil sehr schnell gehen. Beim aktuellen Aktienrückkauftempo wäre das in ca. zwei Jahren der Fall. Ich werde meine Liberty Sirius Aktien weiterhin halten.

Liberty Braves (A, B und C Serie)

Diese ‘tracken’ das Atlanta Braves Baseballteam, inkl. einem Stadionneubau und Immobilienentwicklung rund um das neue Stadion. Ich habe in den letzten Wochen versucht eine Bewertung durchzuführen, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass mir das einfach unmöglich ist. Der Wert dieser Aktien kann Null (die veröffentlichten Zahlen der letzten Jahre zeigen nur Verluste) oder USD 45 sein (Annahme, dass irgendein profilierungssüchtiger Milliardär, dem die Kosten egal sind, das Team zum 1,5-fachen des von Forbes geschätzten Wertes aufkauft – was natürlich eine beliebige Zahl und reine Spekulation ist), bzw. jede beliebige Summe dazwischen oder darüber... ich kann einfach nicht mitreden.

Ich bin kein Baseballfan, weswegen mir das Team überhaupt nichts sagt. Einfach herauszufinden war allerdings, dass das Team momentan das schlechteste in der Liga ist und die Playoffs wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht schaffen wird – obwohl die Saison noch jung ist. Das wird dem Ticketverkauf nicht förderlich sein, aber vielleicht warten sie mit Spielerinvestitionen ja, bis das neue Stadion bezogen ist…

Wie auch immer, ich werde diese Aktien über kurz oder lang verkaufen, um mir die Steuergutschrift aus dem Verlust gutschreiben zu lassen.

Liberty Media (A, B und C Serie)

Diese ‘tracken’ alle restlichen Beteiligungen von Liberty. Allen voran knapp 70 Mio. Aktien von Live Nation Entertainment, die beim aktuellen Kurs ca. USD 18,6 pro Liberty Media Aktie wert sind. Dazu kommen einige andere/kleinere Beteiligungen, die ich mit den Werten der letzten Quartalsbilanz und nach Abzug der Finanzschulden mit ca. USD 7 bewerte. D.h. ich gehe von einem fairen Wert der Liberty Media Aktie von ca. USD 23-25 aus. Beim derzeitigen Kurs von USD 18,6 ergibt sich ein Potenzial von 23-34%.

Was die Sache meines Erachtens noch interessanter macht ist, dass ich glaube, dass die Live Nation Aktie selbst nicht gerade überbewertet ist. Außerdem halte ich das Geschäftsmodell für langfristig sehr reizvoll. Ich werde einen Artikel zu Live Nation schreiben, wenn es meine Zeit zulässt. Derweil ein guter Artikel auf Punch Card Investing (Dank an ‚Alex der Clown‘, der den Link in einem Kommentar bereitgestellt hat; wahrscheinlich wird mein Artikel eh nur eine Art deutscher Zusammenfassung dieses und einiger anderer Artikel). Alternativ kann auch CTS Eventim betrachtet werden das ein sehr ähnliches Geschäftsmodell in Europa betreibt, und von der Börse deutlich optimistischer betrachtet wird als Live Nation.

Ich werde den Erlös aus dem Verkauf der Liberty Braves Aktien in Liberty Media stecken (und wahrscheinlich noch etwas mehr).

Zwischenfazit Liberty

Insgesamt bin ich mit dem Liberty Investment und nach der erfolgten Aufspaltung in Euro gerechnet 1,3% im Plus – in US Dollar ca. 6% - obwohl ich sowohl mit Liberty Media als auch mit Liberty Braves im Minus bin. Diese beiden werden vom Markt derzeit wesentlich pessimistischer eingestuft, als vor der Aufspaltung angenommen. Das kann verschiedene Gründe haben (einer davon ist natürlich, dass der Markt recht hat), aber ich denke, dass vor allem bei (der neuen) Liberty Media aufgrund der sehr komplexen Transaktion, ein starkes Missverhältnis zwischen Preis und Wert besteht.

Die positive Performance kommt allein von Liberty Sirius.


Sirius XM Canada

Am 12. Februar sind Übernahmegerüchte von Sirius XM Canada bestätigt worden. Dann hat sich, zumindest in dieser Hinsicht, einige Monate nichts getan, bis am 13. Mai (also vorgestern) diese Meldung veröffentlicht wurde. Demnach wollen die bisherigen Großaktionäre Sirius XM (USA), Slaight Communications und Obelysk Media ein Angebot legen, und anschließend eine Rekapitalisierung durchführen. Nach erfolgter Transaktion würde Sirius XM 67% des Kapitals halten bei nur 33% der Stimmrechte.  In beiden Kategorien würden sich jeweils Slaight und Obelysk den Rest teilen. Warum das so kompliziert sein muss: nach kanadischem Recht müssen Medienunternehmen stimmrechtsmäßig mehrheitlich in kanadischer Hand sein, womit eine Komplettübernahme durch Sirius XM ausfällt.

Zuerst zu den Details des Angebots, das wiederum etwas kompliziert ist. Sirius XM Canada Aktionäre haben laut Angebot die Wahl zwischen (jeweils pro Sirius XM Canada Aktie)
  1. CAD 4,50
  2. 0,898 Aktien von Sirius XM (USA)
  3. 0,898 (neu zu generierende) Aktien von Sirius XM Canada, die jederzeit in Sirius XM Aktien gewandelt werden können (im Verhältnis 1:1)
  4. Eine Kombination aus diesen Möglichkeiten

D.h. man hat nun einige Optionen.
  • Verkauf der Aktie jetzt, zum aktuellen Kurs von CAD 4,57, was EUR 3,13 entspricht.
  • Aktien ins Angebot verkaufen zu CAD 4,50, was heute EUR 3,08 entsprechen würde
  • In 0,898 Sirius XM Aktien tauschen – zu aktuellen Kursen entspräche das EUR 3,09
  • In 0,898 Wandelaktien tauschen – dasselbe
  • Eine Kombination aus obigen Möglichkeiten.
  • Angebot nicht annehmen

Ein paar Punkte dazu, die mir ad-hoc in den Sinn kommen:

  • Erstens, aus Euro-Sicht hat man sowohl den USD als auch den CAD Wechselkurs zu berücksichtigen. Der entscheidende Wechselkurs ist prinzipiell aber die Beziehung CAD/USD.
  • Zweitens, die CAD 4,50 scheinen relativ risikolos, zumindest wenn man die Aktie eh schon hatte und davon ausgeht, dass das Angebot in dieser Form durchgehen wird. Das Währungsrisiko bleibt natürlich.
  • Drittens, bis zum Zeitpunkt der Entscheidung bekommt man die Option, auf einen kurzfristigen Kursanstieg der Sirius XM Aktie zu spekulieren, da man ja in 0,898 Sirius Aktien tauschen kann. Option 1, also die CAD 4,50, begrenzt das Risiko nach unten.
  • Viertens, mir ist derweil überhaupt nicht klar, wozu es Option 3 gibt. Option 4 scheint ebenfalls etwas seltsam. Es soll dazu bald mehr Informationen geben, worauf ich schon sehnlichst warte.

Damit das Angebot durchgeht, muss mindestens die Hälfte des Freefloats annehmen. Derweil kann ich nicht abschätzen, ob das der Fall sein wird, aber eines ist sicher: der Unmut vieler Minderheitsaktionäre über das mickrige Angebot ist groß, vor allem bei jenen die zu einem höheren Kurs eingestiegen sind (die Aktie ist ja seit Anfang 2014 in relativ steilem Sinkflug). Ich bin mit der Position zwar mit ca. 20% im Plus (inkl. Währungseffekten und inzwischen zwei kassierten Dividenden, die übrigens ab sofort ausfallen), dennoch war ich eigentlich ebenfalls der Meinung, dass eine Aktie mehr wert ist als CAD 4,50. Das scheint eine günstige Übernahme für Sirius XM zu werden.

Was bei dem Ganzen sehr verwundert ist diese Pressemitteilung vom 26. April, also gut zwei Wochen vor Veröffentlichung des Angebots und somit während der laufenden Verhandlungen. Sirius XM Canada hat von Sirius XM eine Aufforderung erhalten USD 34 Mio. zu überweisen – für ‚activation fees‘ für den Zeitraum 2005 bis 2016. Auf diese Meldung hin ist der Kurs von Sirius XM Canada von CAD 4,60 auf CAD 4,20 eingebrochen. Jetzt kommt das Angebot zu CAD 4,50. Das hat, mit Verlaub, eine mehr als nur seltsame Optik. Die Aprilmeldung scheint geradezu dazu designt, den Kurs einbrechen zu lassen, um dann billigst abzusahnen.

Wie oben erwähnt, ist der Kurs momentan bei CAD 4,57. Das ist höher als alle Varianten des Angebotes. Ich nehme an, da spekulieren noch einige, dass das Angebot nachgebessert werden muss.  Was zur nächsten Frage führt:

Was passiert, wenn das Angebot nicht durchgeht? Die Drohung ist offensichtlich die, dass Sirius XM dann auf den Lizenzgebühren aus der Aprilmitteilung bestehen wird oder bei Niederlage vor Gericht (wenn es wirklich zum Äußersten kommt) zumindest für die Verlängerung der bestehenden Verträge einen gesalzenen Preis verlangen wird (in Form höherer Lizenzgebühren). Wenn sie die Übernahme nicht durchbekommen, werden sie einen guten Teil des Geschäftserfolges von Sirius XM Canada eben auf diese Weise abschöpfen. Das wäre dann wohl wirklich ein Schlag für jene Aktionäre, die dann noch Aktien von Sirius XM Canada halten.

Ich muss zugeben, dass mich diese knallharte Vorgehensweise dann doch etwas überrascht hat. Es scheint als ob der große Bruder am längeren Ast sitzt, das weiß, und auch voll ausnutzt. Ich möchte aber nicht in eine falsche Romantik verfallen, schließlich geht es einfach nur ums Geschäft. Wahrscheinlicher ist, dass ähnliches andauernd irgendwo passiert.  

Mitzunehmen bleibt für mich: ich habe das Geschäftsmodell von Sirius XM Canada zwar gründlich studiert, aber dennoch die falschen Schlüsse gezogen. Im Unterschied zur US-Mutter, die die Medieninhalte kontrolliert, muss die kanadische Tochter für weite Teile des Programms Lizenzgebühren an die Mutter zahlen, da sie diese Medieninhalte eben nicht kontrolliert. Ich wusste das zwar, aber: 

Meine Schätzungen des fairen Wertes der Kanada-Tochter beruhten natürlich auf der Annahme, dass diese die Lizenzen weiterhin zu ‚Marktpreisen‘ beziehen kann. Das ist natürlich fraglich wenn der Anbieter, auch wenn es die eigene Mutter ist, praktisch ein Monopol darauf hat. Ich habe einfach nicht bedacht, dass die Mutter das so knallhart ausnutzen könnte. Jetzt habe ich es am eigenen Leib erfahren, wurde völlig am falschen Fuss erwischt, und kann nur hoffen, dass mir dieser Fehler nicht noch einmal passiert.

Wie geschrieben, ich habe jetzt mit Sirius XM Canada innerhalb eines Quartals 20% Rendite erzielt, was eigentlich mehr als nur zufriedenstellend ist. Dennoch wird ein sehr bitterer Nachgeschmack bleiben, ganz egal wie es ausgehen wird.

Ein Sprichwort sagt, dass man im Leben alles zurückbekommt. Liberty Media wartet auf dich, Sirius.


Investor Relations:

26. Januar 2016

2 Käufe: Liberty Media & Sirius XM Canada

Ich habe in zwei Unternehmen investiert, die über das Wikifolio leider wieder einmal nicht handelbar sind. Es handelt sich um Liberty Media und Sirius XM Canada.

Liberty Media

ist die Holding des Medien-Investors John Malone. Malone ist einer der CEOs, der in The Outsiders: Eight Unconventional CEOs and Their Radically Rational Blueprint for Success behandelt wird, einem sehr empfehlenswerten Buch für jeden Investor. Die Konzernstruktur von Liberty Media ist einigermaßen komplex, wofür zum (größten) Teil der Werdegang von Malone eine Erklärung liefert - wobei diese Struktur in letzter Zeit durch diverse Spin-offs zumindest etwas vereinfacht wurde. Ein Auszug aus dem Buch, um die Denkweise von Malone zu verstehen:
To Malone, higher net income meant higher taxes, and he believed that the best strategy for a cable company was to use all available tools to minimize reported earnings and taxes, and fund internal growth and acquisitions with pretax cash flow.

Eine Denkweise, die sich bis heute durchzieht. Ich empfehle das entsprechende Kapitel des Buches selbst zu lesen (bzw. überhaupt das ganze Buch).

Meines Erachtens ist es kaum möglich, Liberty Media anhand von gängigen buchhalterischen Kennzahlen zu bewerten. Man muss andere Methoden zu finden, um den ökonomischen Wert abzuschätzen. Und da kommen wir auch gleich zum entscheidenden Punkt: Liberty Media ist eine Holding. Eine sum-of-the-parts Bewertung scheint vielversprechend.

Eine Asset-Liste von Liberty Media findet sich auf der IR-Seite. Was heraus sticht:
  • 61%-Beteiligung an Sirius XM
  • 100%-Beteiligung an Atlanta National League Baseball Club (Baseball-Fans als Atlanta Braves bekannt, einem MLB-Team)
  • 27%-Beteiligung an Live Nation Entertainment (ohne einer bereits getroffenen Vereinbarung, noch mehr Anteile zu kaufen)
  • Einige andere, kleinere Beteiligungen, siehe Asset-Liste

Um diesen Post nicht allzu lang werden zu lassen, kürze ich jetzt ab: das größte Asset (Sirius XM) handelt an der Börse (jene Anteile, die eben nicht Liberty Media gehören), zu ca. USD 3,65 je Aktie, was eine Marktkapitalisierung für Sirius XM von ca. USD 19,5 Mrd. bedeutet. Ohne weiter auf das Geschäftsmodell (das ich für langfristig vielversprechend halte; ein entsprechender Post zu Sirius XM, bzw. Sirius XM Canada wird folgen, ich weiß aber noch nicht wann ich das schaffe) einzugehen, behaupte ich hier, dass das einer halbwegs fairen Bewertung entspricht: nicht wirklich stark unterbewertet, aber auch nicht groß überbewertet.

Um wieder auf die 61%-Beteiligung von Liberty Media an Sirius XM zurückzukommen: diese Beteiligung ist laut Börse momentan also 19,5*0,61 = USD 11,9 Mrd. wert. Dies entspricht interessanterweise in etwa der momentanen Marktkapitalisierung von Liberty Media (Kurs einer A-Class-Aktie momentan bei ca. USD 35, die C-Class-Aktie handelt in etwa beim selben Kurs). Simplifiziert: mit dem Kauf einer Liberty Media Aktie kauft man sich im Endeffekt eine Sirius XM Beteiligung und bekommt die anderen Beteiligungen mehr oder weniger kostenlos drauf.

Nun gibt es ja die Theorie, dass solche Abschläge für Holding-Gesellschaften durchaus gerechtfertigt sind. Meist würde eine Steuer anfallen, wenn der ‚valuation gap‘ geschlossen werden soll, die den Großteil dieses Abschlages erklärt. Es gibt auch noch einige andere Probleme. Genau mit dieser Thematik kommt jedoch John Malone mit seinem Werdegang ins Spiel: ein Meister seines Faches.

Im November 2015 veröffentlichte Liberty Media einen Plan, wie dieses Problem (valuation gap) gelöst werden soll. Die Präsentation ist hier abrufbar (Liberty Media Corporation Investor Meeting, November 2015).

Es sollen aus einer Liberty Media Aktie drei Tracking Stocks geformt werden (Liberty Media hat mit so etwas schon Erfahrung):

Liberty Sirius Group:

Diese soll das Geschäft von Sirius XM abbilden (Tracking Stock soll sich gleich verhalten wie die „Original“-Sirius Aktie). Wie schon geschrieben halte ich Sirius XM aufgrund des Geschäftsmodelles für ein gutes Langzeit-Investment. Diese Gruppe alleine sollte, wenn der Plan aufgeht, in etwa dem Wert einer heutigen Liberty Media Aktie entsprechen. In der Präsentation von oben wird der NAV mit ca. USD 12,8 Mrd. angegeben (damals war der Kurs einer Sirius Aktie jedoch noch bei USD 4,12).

Liberty Braves Group:

Diese soll das Geschäft der „Atlanta Braves“ abbilden. Es ist anzumerken, dass damit ein Stadion-Neubau mit einem Immobilien-Entwicklungsplan (Wohnungen, Büros, Restaurants, Hotels, Retail, Entertainment) um das Stadion einhergeht. Es ist gut möglich, dass mit diesem Tracking Stock auch ein Bezugsrecht für eine Kapital-Erhöhung ausgegeben wird, um diese Pläne zu finanzieren. Mit dem Bau des Stadions wurde schon begonnen, die Fertigstellung ist für den Frühling 2017 geplant. Immobilien-Entwicklung: Fertigstellung für Frühling 2018 geplant.

Diese Gruppe kann ich nicht wirklich bewerten, weil ich mich hier nicht auskenne. Ich gehe allerdings davon aus, dass der faire Wert größer Null ist. In obiger Präsentation wird der NAV mit ca. USD 2 Mrd. angegeben.

Liberty Media Group:

Diese soll alle restlichen Beteiligungen abbilden, inkl. Live Nation Entertainment (LYV). Ohne auf all die vielen kleinen Beteiligungen einzugehen: die größte dieser Beteiligungen (LYV), halte ich für prinzipiell sehr interessant.

LYV ist im Prinzip ein Ticket-Verteiber und Live-Event-Veranstalter (hauptsächlich Musik/Konzerte). Hier geht bei dem einen oder anderen Leser vielleicht ein Alarm ab, weil die doch so böse sind. Eine ZDF-Doku (Youtube) aus dem September 2015 fasst die Negativ-Stimmung gegen Eventim, dem deutschen LYV-Pendant, zusammen.


Einen etwas kritischen Blick auf LYV als Aktien-Investment bekommen wir via Glenn Chan’s Random Notes on Investing, dafür aber auch eine gute Branchen-Beschreibung:


Meine Gedanken dazu gehen in etwa in diese Richtung: Veranstalter/Ticketvertreiber schirmen die Künstler vor negativer Presse ab, weil das zum Geschäftsmodell gehört. Entgegen der auf der Bühne oder in Interviews vertretenen Meinung der Künstler, dass der Eintritt (nicht nur Tickets, sondern auch der Vertrieb und das sonstige Drumherum) günstig sein sollen, haben diese sehr wohl ein ökonomisches Interesse daran, dass die Fans etwas tiefer ins Börserl greifen (vor allem, wenn der Gewinn mit den Künstlern geteilt wird, was oft der Fall ist). Dieser Konflikt - ökonomisches Interesse vs. Image nach außen für Künstler – wird von Unternehmen wie LYV oder Eventim aufgelöst und erklärt, zumindest zum Teil, die hohen Gewinne. Dafür müssen diese Unternehmen ständig mit negativer Presse rechnen, die sonst auf die Künstler treffen würde – ein wertvoller Service in einem Geschäft, in dem Schein deutlich wichtiger ist als Sein.

Wie auch immer, bei der Bewertung von LYV, bzw. der anderen Beteiligungen bin ich mir etwas unsicher (der Kurs von LYV ist in letzter Zeit deutlich gefallen - aber was nicht?), dennoch gehe ich davon aus, dass der faire Wert deutlich über Null liegt. In obiger Präsentation wurde der NAV der Liberty Media Group mit ca. USD 2 Mrd. angegeben (wie gesagt mit höherem LYV-Kurs).

Zusammenfassend möchte ich hier festhalten, dass man mit dem Kauf einer Liberty Media Aktie (vor allem wenn der Plan den Bewertungsunterschied aufzulösen aufgeht) eine günstige Gelegenheit hat, in Sirius XM zu investieren, da man die anderen Beteiligungen als Draufgabe erhält. Berkshire Hathaway hält übrigens ebenfalls Anteile, auch wenn das vermutlich keine Buffett-Investition ist, sondern eine seiner beiden Nachfolge-Investoren.

Sirius XM Canada

Da der erste Teil schon recht lang war, und ich eh noch einen Sirius-Artikel posten möchte nur ganz kurz: Sirius XM hält eine At-Equity-Beteiligung an Sirius XM Canada, die wiederum selbst an der Börse in Toronto notiert und ein ähnliches Geschäftsmodell betreibt. Die Aktie ist seit einiger Zeit im freien Fall, zusätzlich ist der kanadische Dollar recht schwach („Rohstoff-Land“). Inzwischen hat der Kurs aber ein Niveau erreicht das ich als günstig einschätze. Nachkäufe sind durchaus geplant, vor allem wenn es noch tiefer gehen sollte.

Investor Relations: